Sleeveface ... Das ist nicht der Titel eines neuen Horror-Movies, sondern hohe Kunst. Auf ihren Bildern lassen Fotografen die Grenzen zwischen Plattencovern und Realität verschwimmen - kein einfacher Job.
Jahrzehntelang waren Schallplatten fester Bestandteil eines jeden Wohnzimmers. Mittlerweile vegetieren sie in dunklen Schränken vor sich hin und suchen nach einer neuen Beschäftigung. "Sleeveface", ein Trend aus dem Internet, gibt den Vinyl-Pensionären die Chance auf ein künstlerisches Comeback.
Foto-Kunst ohne Grenzen
Frei übersetzt bedeutet "sleeveface" so viel wie "Cover-Gesichter", und damit ist die Kunstbewegung aus dem Netz auf den Punkt gebracht. Ziel ist es, Fotografien zu erstellen, bei denen die Grenze zwischen Plattenhüllen-Ende und Realität kaum zu erkennen sind.
Wer die Idee für das erste Foto hatte, ist in den Annalen der Undercover-Künstler nicht überliefert. Vielleicht ist es aus einer Laune heraus entstanden, wie bei dem 24-jährigen Engländer Michael. Als auf einer Party nicht so richtig Stimmung aufkommen wollte, alberten er und seine Freunde mit Plattencovern und Fotoapparat herum. Sie holten das alte Vinyl aus dem Schrank und machten Fotos, in denen die Grenzen zwischen der Person auf dem Cover und der Realität möglichst völlig verschwanden.
"Undercover-Kunst"
Im Internet tauchten Anfang 2006 auf der Seite waxidermy.com die ersten Bilder auf. Sie verhalfen dem Trend, dessen Popularität bis dahin auf die heimische Festplatten beschränkt war, zum Sprung ins World Wide Web. Schnell posierten auf facebook, Flickr und in anderen Communitys Teenager als Schlagersänger Engelbert, Männer als Marilyn und Katzen als Barry Manilow. Längst greifen die Fans nicht mehr nur zum Plattencover, um ihre Kreativität auszuleben - Zeitschriften, CDs und DVD-Hüllen müssen für den künstlerischen Prozess ebenso herhalten.
Einfach ist es nicht, das perfekte Foto zu machen. Bis ein gelungener Shot wie beim Cover von Frank Sinatra steht, braucht "Sleeveface"-Künstlerin Maggy viel Zeit und noch mehr Geduld. Je ambitionierter die Künstler, desto aufwendiger die Aufnahme. Im "Sleeveface"-Universum gibt es jede Art von Qualität. Manch einer posiert im Plattenladen mit dem Cover von Gwen Stefani für ein schnelles Handy-Bild, andere passen Garderobe und Umgebung bis ins kleinste Detail an die Vorlage an. Nur so ist die Täuschung perfekt.
Ein Video dazu findet ihr hier.
Quelle: Max
Picture: khourii
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